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Don't Look Now

Ein unter Wasser getauchtes Porträt überrascht die Betrachtenden in einer eindringlichen, fast gespensterhaften Begegnung. Die fotografierte Frau schaut uns von unter Wasser direkt in die Augen, wie einst Ophelia, wunderbar entrückt und doch irritierend. 


Der Blick der Frau durch das Wasser hindurch wirkt wie ein verzerrtes Fenster in eine andere Welt, eine Welt zwischen Leben und Tod, Wirklichkeit und Traum. Das Wasser fungiert hier als Medium der Verfremdung, das die Fotografie buchstäblich und metaphorisch in eine transzendente Sphäre versetzt.


Im Wasser löst sich die Emulsion der Fotografie langsam vom Papier. Der verstörend schöne Zerfall des fotografischen Porträts verweist subtil, aber unmissverständlich auf die Vergänglichkeit des Mediums und des Seins. Der materielle Zerfall und das damit verbundene Sichtbarmachen der verschiedenen Schichten der Emulsion der Fotografie zeigen, dass eine Fotografie nicht nur eine illusionistische Darstellung der Realität ist, sondern auch ein materielles Objekt, das den Gesetzen der Physik unterliegt und wie alles andere dem Verfall ausgesetzt ist.


Der Prozess der langsamen Auflösung des Bildes wird dabei selbst zur Narration und verleiht dem Werk einen prozessualen Charakter, der die Vergänglichkeit als zentrales Thema sichtbar macht.

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