This Sense of Wonder
In meiner analogen Multimedia Installation This Sense of Wonder wandert das Publikum durch Diaprojektoren, Lichtboxen, Leuchttische, selbst-designte Lichttische, Dia-Sichtgeräte und Fotografien. Die Arbeit wurde mit dem Merck-Preis 2018 der Darmstädter Tage der Fotografie und dem Kunststipendium des Kantons Bern ausgezeichnet. Meine Installation vermittelt den Betrachter*innen ein Verständnis für ihre eigene Vergänglichkeit und führt sie in die entrückte Welt des Todes und seiner Verfalls.
Die Begründung der Jury für die Verleihung des Merck-Preises:
" Brigitte Lustenberger handelt als Fotografin akribisch wie eine Wissenschaftlerin, ästhetisch wie eine barocke Malerin und poetisch wie eine Lyrikerin. Ihre Installation bewegt sich an der Schnitt- stelle von Fotografie, Projektion und Installation. Sowohl das Flüchtige einer Lichtzeichnung, als auch das Bewahrende einer Fotografie sind Elemente ihrer Arbeit. Durch multimediales Arbeiten, räumliches Experimentieren und ihr skulpturales Denken sprengt sie die Grenzen der Fotografie auf und überzeugte uns als Jury. "
Die Insekten werden auf alte Dia Gläser fixiert. Die semitransparenten Körper werden durch hellstes Licht von alten Dia-Projektoren zu fragilen, fast abstrakten Projektionen und offenbaren die Zärtlichkeit eines Insektenflügels oder die Anmut eines zerfressenen Fliegenkörpers. Als Lichtbilder sind sie der Dunkelheit und der endgültigen Zerstörung für einen Augenblick entrissen. Die festgehaltene Augenblicke scheinen die Vergänglichkeit aufzuhalten. Doch sind auch sie flüchtig wie das elektronische Licht der Projektoren: Sobald der Stromstecker gezogen wird, lösen sich die Bilder in der Dunkelheit auf.
Das Flackern zwischen Leben und Tod kann keine Kamera einfangen, dafür jedoch die Zeit davor und danach, die Zeit des Alterns und des Zerfalls. Meine Arbeiten entstehen aus einem Innehalten, aus dem Beobachten des Vergehens, dem Schwelgen in der Schönheit des Dahinschwindenden und der Zersetzung. Ich staune über die Wunder und Schrecken des Todes und seiner Überreste, über die Anmut der Vergänglichkeit des Seins, bin aber gleichzeitig verunsichert beim Gedanken an den Tod. Gefühle wie Leidenschaft, Faszination, Angst oder gar Abscheu liegen nah beieinander. Ich erschaffe mit meinen Installationen ein Barockes und zugleich sehr zeitgenössisches Universum.

