What is Love?
Nur selten haben Bilder von Verfall und Vergänglichkeit uns so sehr in ihren Bann gezogen – mit ihrer Faszination ebenso wie mit ihrem Schrecken. Beschädigte Schmetterlinge und Käfer sowie Gesichter junger und älterer Menschen, gezeichnet vom Leben, treten aus einem dunklen, an Caravaggio erinnernden Hintergrund hervor. Mit ihrer eindringlichen Präsenz und dem direkten Blick auf die Betrachtenden scheinen sie einen Dialog einzufordern. Welke oder fast verwelkte Blumen in Vasen sowie präparierte Tiere verkörpern klassische memento mori-Motive.
Diese aussergewöhnlichen Fotografien, aufgenommen mit einer analogen Kamera, zeigen einfache Motive oder Szenen, die die Künstlerin durch den Einsatz von Hell-Dunkel-Kontrasten und teils theatralischen Kompositionen in eine hochästhetische Form überführt. Die Fotografin setzt sich mit dem Konzept des Blicks auseinander – etwa durch sparsam arrangierte Bilder, die die Betrachtenden zu eigenen Assoziationen anregen. Sie lenkt den Blick des Publikums gezielt und lädt das Bild gleichzeitig mit Bedeutung auf – etwa wenn eine schwangere Frau wütend und ratlos in eine Ecke blickt und damit zur Projektionsfläche für unsere Vorstellungen wird.
« Mit dem Licht als wertvoller Verbündeter stellt sie Wesen, Schweigen, Stimmungen und Fragmente von Materie – Haut, Pelz, Federn, Holz, Früchte, Blumen, … – sowie Gegenstände dar, denen sie eine Seele zu verleihen scheint, um geheimnisvolle, leise Geschichten zu erzählen. Es gelingt ihr auf bewundernswerte Weise, ein rätselhaftes Universum zu schaffen, das den Geist zum Träumen verführt. Diese aus kleinen Andeutungen zusammengesetzte poetische Welt ist von einer außerordentlichen Melancholie erfüllt. » Julia Hountou
In den Worten der Künstlerin: Bei meinen Porträts und Stillleben gehe ich auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Porträts zurück. Der Begriff entwickelte sich aus dem lateinischen Ausdruck portrahere, was übersetzt etwas hervorziehen, vorwärts bringen, ans Licht bringen heisst. Für meine analogen Fotografien verwende ich daher als einzige, sehr reduzierte Lichtquelle das Tageslicht, das durch das Fenster fällt. Meine Bilder sind reduziert und zeigen nur das Notwendigste. Sie überlassen so den Betrach-tenden viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen. Die Bilder sind mit einer Grossformatkamera fotografiert worden. Die Farbtiefe und Schärfe dieser Fotografien sind einzigartig.

