Watching, I Am Watching You, Caught
Watching
Ein dunkles quadratisches Bild zeigt eine Frau. Eine verstärkte Wachsamkeit wird subtil durch Gesten und Mimik ausgedrückt – hervorgerufen von etwas, das wir nicht sehen, das sich ausserhalb des Rahmens oder hinter etwas verbirgt – und erzeugt eine Atmosphäre der Spannung und eine Ahnung, die Szene schon einmal gesehen zu haben. In Watching thematisiere ich verschiedene Wahrnehmungen von Sehen und Gesehen werden und arbeite mit verschiedenen Blicken: dem Blick des implizierten Voyeurs, dem Blick der fotografierten Menschen und dem Blick der Betrachtenden. Die Analyse und Reflexion des eigenen Blickes und der damit verbundenen Wahrnehmung stehen im Zentrum; die Erinnerung an andere Bilder, an die virtuelle Realität aus Kino und TV, die unsere Wahrnehmung beeinflusst.
I Am Watching You
Drei junge Frauen in Profilansicht – stylistisch auf die Porträtmalerei des 17. Jahrhunderts verweisend – scheinen jemanden zu beobachten. Ohne den Kopf zu bewegen versuchen die Porträtierten herauszufinden, wer sie anschaut. Sie versuchen den Blick zu halten, ohne erkannt zu werden. Der Titel I Am Watching You richtet sich sowohl an den implizierten Voyeur bzw. BetrachterIn der Fotografie, als auch auf die fotografierten Frauen selber, die dabei sind, den implizierten Voyeur bzw. BetrachterIn der Fotografie zu entlarven. Wer schaut jetzt wen an? I Am Watching You bezieht sich auch auf die Serie Watching. Die Frauen in I Am Watching You gehen einen Schritt weiter als die Frauen in Watching, sie versuchen den Blick des vermeintlichen Voyeurs zu erwidern und zu halten.
Caught
Zwei, drei Frauen sind in ein Gespräch oder sonst eine Beschäftigung vertieft. Eine der Frauen schaut direkt in die Kamera bzw. zum/zur BetrachterIn der Fotografie – die Eindringlinge der Szene. Der Kamerastandpunkt ist niedriger oder höher als die durchschnittliche Augenhöhe einer Person. Die ungewöhnliche Perspektive hinterlässt das Gefühl, dass es sich beim Eindringling nicht unbedingt um einen Menschen handelt. Ich nenne dies einen entpersonifizierten, implizierten Blick. Er verleiht dem Bild etwas Unheimliches. Nach Watching und I Am Watching You blicken die Frauen nun direkt in die Kamera. Die Frauen scheinen die Betrachtenden anzusehen und ihren Status als Subjekt in einer Fotografie zu hinterfragen. Konfrontieren sie den Betrachter/Betrachterin damit, dass er/sie eine Szene unterbricht?